Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, ein Fach- oder Sachbuch zu schreiben, dann tun Sie es. Halten Sie sich nicht lange mit Zweifeln auf, ob Ihre Fachkompetenz ausreicht. Sie wissen genug. Die Frage ist vielmehr, wie und wem Sie dieses Wissen vermitteln. Fangen Sie also damit an. Sie können nur herausfinden, ob daraus wirklich ein Buch wird, indem Sie diesen Weg ein kleines Stück weit gehen.
Das findet sich. Schon klar: Sie werden wohl über etwas schreiben, worin Sie sich wirklich auskennen. Aber für den Anfang ist es viel sinnvoller herauszufinden, für wen Sie schreiben wollen. Was für eine Art Buch wird es denn werden? Ein "Fachbuch", das eine bestimmte Berufsausbildung voraussetzt? Wenn ja, eine praktische Anleitung für Spezialisten oder eine wissenschaftliche Auseinandersetzung? Oder ein "Sachbuch", das man aus einem mehr oder weniger spezifischen Interesse liest? Das kann ein Aufklärungswerk für Interessierte sein, aber auch ein Ratgeber für Hilfsbedürftige, oder vielleicht ein ganz spezielles Nischenbuch für Menschen, die mit Ihnen ein seltenes Hobby teilen. Je präziser Sie sich zu Ihrer vorgestellte Leserschaft hinschreiben, desto klarer wird Ihnen werden, was Ihr eigentliches Thema ist.
Wollen Sie das wirklich? Sie haben doch noch Lebenspläne außerhalb des Buches, und dazu muss es passen. Viele angesehene Autoren haben große Wirkung innerhalb einer begrenzten Interessengruppe, Fachöffentlichkeit oder Fachpraxis. Hier ist der Erfolgsmaßstab ein anderer als die bloße Zahl verkaufter Bücher. Glauben Sie nicht, Sie könnten die "interessierten Laien" im Vorübergehen mit einbeziehen. Wenn Sie wirklich ein Massenpublikum erreichen wollen, dann muss sich Ihr ganzes Leben darum drehen.
Nein, aber Ihre Funktion ändert sich. Man kauft Bücher nicht mehr auf Verdacht, weil große Namen darauf stehen. Heute unterscheidet sich der Zugang zu nichtfiktionalen Büchern nicht wesentlich von der Entscheidung für oder gegen einen Krimi: Wir blättern das Buch durch, lesen es an, und nur wenn es hier und jetzt attraktiv erscheint, kaufen wir es, um es dann auch gleich zu lesen. Leser erwarten von einem nichtliterarischen Buch wie eh und je, dass es ihnen die Arbeit abnimmt, verstreutes Wissen zusammenzutragen. Aber neuerdings fordern sie auch, dass es lesbar ist, womöglich sogar Spaß macht. Herumsuchen kann man auch am Bildschirm; nur ein Buch macht es möglich, sich auf die Couch zu legen und zu genießen, während man sich informiert. Ich sehe diese Entwicklung als Chance für neue Autoren. Sie müssen nicht die weltgrößte Koryphäe zu dem Thema sein. Alles, was Sie tun müssen, ist ein verdammt gutes Buch zu schreiben.
Indem Sie ihn gezielt suchen. Es bringt wenig, wahllos Manuskripte durch die Gegend zu schicken. Fachverlage sind hochspezialisiert, und die Frage, ob ein Buch angenommen wird oder nicht, entscheidet sich vor allem daran, ob es in die Programmstrategie des Verlages passt. Also schauen Sie sich in einer guten Buchhandlung und im Internet die Verlagsprogramme an. Und dann schreiben Sie für die Verlage, zu denen Ihre Idee wirklich passt und deren Bücher Ihnen gefallen, einen gezielten Projektplan, auch Exposé genannt (wie das aussehen sollte, können Sie in meinem Buch nachlesen). Fachverlage entscheiden lieber über Exposés als über fertige Manuskripte. Sie sollten genaue Vorstellung über das Buch haben, aber zu Änderungen bereit sein.
Nicht unbedingt. Man stellt sich das so einfach vor: Jeder trägt ein Kapitel zu seinem Spezialthema bei; das müsste er ja mehr oder weniger aus der Schublade ziehen können. In Wirklichkeit ist die Koordination eine gewaltige Arbeit. Ohne eine engagierte Herausgeberin wird es gewaltige Verzögerungen geben, und die Leser haben wenig davon, wenn das Buch formal und inhaltlich nicht aus einem Guss ist. Deshalb sind machmal Einautorenbücher erfolgreicher, die sich auf das für Leser wirklich Wichtige konzentrieren.
Mit Schreiben. Und zwar nicht erst in den Semesterferien, nicht an den langen Winterabenden, sondern jetzt. Voraussetzung für alles, was noch vor Ihnen liegt, ist eine schnell wachsende Menge an Text. Herausfinden, ob daraus wirklich ein Buch wird; ein klareres Bild der Zielgruppe und Ihrer eigenen Absichten bekommen; aus einem leidlich verständlichen ein immer besseres Buch machen – all das geht nur by doing. Es gibt kein Gesetz, dass Bücher von vorne nach hinten geschrieben werden müssen. Arbeiten Sie immer an dem Teil, der Ihnen gerade am leichtesten fällt. Die erste Überarbeitung wird ohnehin darin bestehen, das Manuskript noch einmal ganz auseinanderzunehmen und neu zu ordnen.